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Busch Kollegium Karlsruhe

Klarinettentage 2010

 

Im Dezember 2010 fanden die ersten Klarinettentage auf Schloss Unteröwisheim statt - mit sensationellem Erfolg! 20102010

 

 

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Gelungener Auftakt: die ersten Klarinetten-Tage auf Schloss Unteröwisheim

 Von Bettina Beigelbeck und Markus Lindler gemeinsam initiiert, fanden vom 3.-5. Dezember 2010auf Schloss Unteröwisheim, einer Tagungsstätte nahe Bruchsal, die „Klarinetten-Tage“ statt. Ein dreitägiger Workshop für Klarinettenschüler/-innen jeden Alters mit unterschiedlicher Spielerfahrung, vom Anfänger bis zu Teilnehmern mit jahrzehntelanger Übung, von 10-Jährigen bis in schwer schätzbare Lebensalter. Insgesamt 21 Spiellustige.

 Das Angebot der beiden Klarinettenlehrer aus Karlsruhe ̶ beide sind auch als freie Musiker aktiv ̶ traf auf so großes Interesse, dass die begrenzte Anzahl vonPlätzen schon mehrere Monate im Voraus vergeben war. Offenbar ist das ein Angebot, das bislang fehlte.

 Von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag ̶ ein intensives Wochenende mit durchdachtem und abwechslungsreichem Programm.

Zum Einstieg, Ankommen aus dem Alltag, erstem Beschnuppern innerhalb der zusammengewürfelten Gruppe, finden wir uns unversehens in einer Body-Percussion-Runde wieder, von Bettina Beigelbeck kundig angeleitet, in der sich Sprachrhythmen mit unterschiedlichen Schritt- und Klatschfolgen überlagern. Das fällt dem einen leichter, dem anderen schwerer, bringt ganz nebenbei in heiteren Kontakt miteinander und belebt sichtlich, so dass wir schon beim ersten gemeinsamen Abendessen nicht mehr zwischen bekannten und unbekannten Gesichtern unterscheiden und gelockert ins Gespräch kommen.

Die Abendgestaltung schließt  an die spielerische Aktion vor dem Essen an: mit der ersten Instrumentalrunde, in der ein Teilnehmer einem anderen ein kleines, spontan erfundenes musikalisches Motiv zuspielt. Der angespielte Klarinettist versucht es nachzuspielen und hängt eine eigene Idee daran, die er wiederum einem dritten Spieler weitergibt usw. So entwickeln wir eine kleine Gemeinschaftsimprovisation,bevor wir als großes Ensemble das vorab erhaltene Notenmaterial auspacken.

Angeleitetvon Markus Lindler können 21 Klarinetten in einem Raum ̶ einschließlich drei Bassklarinetten ̶ auch alles andere als quälender Lärm sein. Für manche ist es die erste Erfahrung im Ensemblespiel, durch geduldige Anleitung und klare Ansagen bekommt aber jeder im Laufe der Proben eine Ahnung seiner Rolle innerhalb des Gesamten, so dass durchaus Klang entsteht, an dem man gerne teilhat.

Abgesehen von der geselligen Runde im Gewölbekeller beschließt den Tag ein Vortrag von Markus Lindler. Sein Thema ist die Geschichte der Klarinette in den ersten hundert Jahren ihres Aufkommens. Durch den Focus auf die Anforderungen der barocken Musikpraxis an die Instrumente und eine Einbettung der Thematik in dasZeitklima ist es eine farbige und spannende Ausführung ̶ unterstützt durch projiziertes Bildmaterial ̶ , die man so in den zahlreichen Büchern über die Entwicklung der Klarinette nicht nachlesen kann.

Samstag und Sonntagvormittag sind im Wesentlichen strukturiert durch die einzelnen Unterrichtseinheiten. Inzwischen ist Masayo Tanaka-Skoczowski eingetroffen, die die Klavierbegleitung, wo gewünscht, übernimmt. Diesen Luxus genießt man als Schüler außerhalb eines solchen Workshops eher selten. Jeder Teilnehmer hat ein oder mehrere Stücke vorbereitet und arbeitet in der ihm zugewiesenen Zeit mit einem der Lehrer.

Das bietet viel Anregung und Gesprächsstoff, da die beiden, Bettina Beigelbeck und Markus Lindler, sich durch einen jeweils eigenen Unterrichtsstil und unterschiedliche Methoden wunderbar ergänzen. Parallel ist die Möglichkeit gegeben, als Zuhörer die Stunden der anderen Schüler/-innen zu besuchen, auch das eine lehrreiche Erfahrung.

 Neben dem Einzelunterrichtwurden im Vorfeld kleine kammermusikalische Ensembles zusammengestellt und mit passendem Notenmaterial versorgt. Diese proben zunächst selbstständig miteinander, was erstaunlich fruchtbar verläuft, obwohl die Mitglieder der insgesamt sechs Gruppierungen nie zuvor miteinander gespielt haben. Anschließend findet jeweils eine Ensembleprobe unter Anleitung statt, die auf das Vorspiel am Sonntagvorbereitet.

Für diesen zweiten Abend ist ein kleiner einführender Workshop zur Blattbearbeitung vorgesehen. Bettina Beigelbeck erläutert die Beschaffenheit des Rohmaterials, die Werkzeuge und die Praxis des Blattbaus, ebenso wie die modifizierende Bearbeitung neuer oder schon bespielter Blätter und deren Pflege.

Manches davon wird sicher der eine oder andere in seinen Klarinettenalltag übernehmen oder zumindest ausprobieren, um es dann beizubehalten oder wieder zu verwerfen. Auch die beiden Profis haben da im Laufe ihrer Praxis ganz individuelle Auffassungen entwickelt.

Das Vorspiel der kleinen Formationen und des großen Ensembles vor angereistem Publikum am Sonntagnachmittag gibt dem Wochenende mit der konzentrierten Anspannung vor dem Konzert und entspanntem Geplauder im Anschluss einen würdigen Ausklang.

Nicht zuletzt sorgten auch die großzügige Unterbringung, das abwechslungsreiche Essen und die freundlichen, stets ansprechbaren Mitarbeiter/-innen des Schlosses ̶ eingebettet in eine idyllische Winterlandschaft, mit vereistem Gesträuch, Bach und Pferd und so ̶ für atmosphärisches Behagen.

Nach der durchweg positiven Erfahrung dieser ersten Klarinetten-Tage werden sicher in diesem Jahr weitere folgen, in die Anregungen und kritische Rückmeldungen der Teilnehmer/-innen einfließen werden. So wurde der Wunsch geäußert, den Zeitrahmen um einen Tag zu erweitern, da für diese 48 Stunden Vielfalt ein recht kompaktes Bündel für uns geschnürt wurde.

Dass dennoch organisatorisch alles derart reibungslos ineinandergriff, lässt erahnen wie viel planerische Vorarbeit hier investiert wurde.

Monika