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Busch Kollegium Karlsruhe

Klarinettentage 2012

Die zweiten Klarinettentage!

 

20122012

Klarinettentage auf Schloss Unteröwisheim, 5.-8. Januar 2012

Schon bei der Ankunft auf Schloss Unteröwisheim - nur wenige Kilometer östlich von Bruchsal gelegen - fasziniert der malerische Anblick der ehemaligen Klosteranlage. Das Schloss ist mittlerweile im Besitz des CVJM, derdort ein Tagungshausunterhält. Die Zimmer – Einbett- bis Vierbettzimmer jeweils mit Bad und WC – sind sehr gemütlich eingerichtet. Man fühlt sich im gesamten Ambiente des Hauses sofort wohl. Dazu gehört auch der restaurierte Gewölbekeller, in dem abends auch nette gesellige Zusammenkünfte stattfinden. Dort versammelte sich nun also unsere Gruppe der Klarinettebegeisterten. Zwölf Teilnehmer - die Hälfte Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren alt, die andere Hälfte Erwachsene, hatten sich dort eingefunden sowie unsere beiden Dozenten, Bettina Beigelbeck und Markus Lindler, die für uns ein äußerst abwechslungsreiches Programm für die nächsten drei Tage zusammengestellt hatten. Los ging es, nach einer kurzen Begrüßung, allerdings nicht mit der Klarinette, sondern mit bodypercussion. Wir stellten uns in einem Kreis auf, stampften und klatschten einen Rhythmus und sangen dazu. Unsere „Auflockerungsübung“ in dem Gewölbewurde durch die besonderen akustischen Verhältnisse enorm verstärkt. Bettina leitete uns erfahren in diesen Übungen an und traf genau den richtigen Ton. Die ganze Gruppe, obwohl so unterschiedlichen Alters, machte gern mit. Als geistigen Hintergrund unseres Tuns las sie uns einen kurzen Text von Elias Canetti aus seinem Buch „Masse und Macht“ vor, der sich mit archaischem und kultischem Tanzen der früheren Stammesgesellschaften auseinandersetzt. Im Anschluss machten wir eine gemeinsame Begehung des Seminarhauses, um uns dann schließlich, im Seminarraum angelangt, in einer kleinen Vorstellungsrunde näher kennenzulernen. Fast alle waren schon erfahren im Umgang mit der Klarinette, von Anfängern bis hin zu großen Könnern – darunter auch welche, die erst als Erwachsene das Klarinettenspiel begonnen haben. Eine Ausnahme war allerdings ich selbst. Denn ich werde auf dem Kurs erstmalig mit der Klarinette beginnen. Nach dem Abendessen ging es in diesem Raum weiter mit einer Ensembleprobe, bei der die vorab verschickten Noten zum ersten Mal in der frisch zusammengewürfelten Gruppe ausprobiert wurden. Mit Geduld und Kompetenz formte Markus dann aus den vielen Spielern mit ihren ganz unterschiedlichen klarinettistischen Fähigkeiten einen ganzheitlichen Klangkörper. Da ich noch kein Instrument hatte, beschränkte ich mich zunächst aufs Fotografieren und Zuhören. Ich fand, für eine erste Probe, klang es erstaunlich gut. Als Abschluss des ersten Abends schauten wir alle zusammen noch den Film „Jenseits der Stille“, jene traurig-schöne Geschichte über das Mädchen Lara, das bei taub-stummen Eltern aufwächst und die Klarinette als großes Glück für sich entdeckt – wirklich gut ausgewählt!

Am nächsten Tag sollte ich nach dem Frühstück meine erste Klarinettenstunde bei Markus haben. Etwas skeptisch war ich schon: Wie würde ich mich anstellen? Würde ich einen Ton rausbekommen? Ich sollte es zunächst nur auf dem Mundstück probieren. Nun, ich bekam ab und an sogar einen Ton heraus. Nein, richtig schön klang das nicht, aber Markus zeigte sich zufrieden. Der Ton sei laut und gerade, das sei wichtig. Weiter erläuterte er mir die Stellung von Zähnen, Lippen und Zunge und gegen Ende der Stunde probierte ich dann mit der ganzen Klarinette zu spielen. Drei Töne habe ich geschafft: c, d, und e. Bettina hatte währenddessen anderen Teilnehmern ebenfalls Einzelunterricht erteilt. Im Laufe des Vormittages war Hedwig Eisele-Bösinger im Seminarhaus eingetroffen. Sie machte uns eine Stunde lang mit dem „erfahrbaren Atem“ nach Prof. Ilse Middendorff bekannt. Dazu hatte sie für jeden von uns einen runden Sitzhocker aus Holz mitgebracht, auf dem wir einen Teil der Atemübungen ausführten. Eigentlich ist der Begriff Atemübung etwas irre führend, da wir nicht das Ein- oder Ausatmen geübt, sondern stattdessen kleine Dehnübungen gemacht haben. Ich war überrascht, wie sich die Körperwahrnehmung nach den Übungen veränderte und wie der Atem anders floss. Am Ende der Einheit machte sich in der Runde übermäßiges Gähnen breit, aber nicht aus Langeweile, sondern als Anzeichen dafür, dass sich der Körper weiter entspannt hat. Hedwig ermunterte uns dazu, noch mehr zu gähnen und wir sollten ja nicht die Hand vor den Mund nehmen. Das Gähnen der Gruppe sei höchstes Lob für sie und die Übungen. Danach folgte das Mittagessen. Übrigens ist das angebotene Essen ein besonderes Erlebnis! Die abwechslungsreichen Speisen – vom Salatbuffet über kalte und warme Speisen bis hin zu Suppe und Nachtisch – waren sehr lecker und reichhaltig. Nach dem Mittagessen bot Bettina einen Blätterworkshop an. Dazu kamen alle mit ihren verbesserungswürdigen Blättern in den Seminarraum. Am einzelnen Blatt erläuterte Bettina die verschiedenen Möglichkeiten der Bearbeitung. Sie benutzte dazu ein Messer, einen Schleifstein und einen Blattschneider. Gezieltes Schaben mit dem Messer hier und da, an dieser Stelle nicht zu viel, hier eher mehr. Nachmittags fanden parallel bei beiden Dozenten wieder sowohl Einzelunterrichte als auch Kammermusikproben statt. Die Einteilung in Kammermusikgruppen vom Duo bis hin zum Quartett war bereits im Vorfeld erfolgt und die Noten dazu ebenfalls verschickt worden. Wer nicht Unterricht hatte konnte bei den anderen im Unterricht zuhören, sich ausruhen oder auch auf seinem Zimmer üben; das blieb jeder und jedem selbst überlassen. Hier hatte ich auch eine Stunde bei Bettina, die mich mit ihrer freundlichen Art motivierte, meine drei Töne möglichst „klangrein“ zu treffen. Nach dem Abendessen gab es wieder eine Veranstaltung für uns alle gemeinsam. Markus hielt einen höchst interessanten und informativen Vortrag über die Klarinette im 19. Jahrhundert. Mithilfe einiger Klangbeispiele von CD und zahlreicher Overhead-Folien gelang es ihm, uns eineinhalb Stunden mit spannenden Geschichten über Komponisten und deren Werke, über Klarinettenvirtuosen und die bautechnische Besonderheiten der Klarinetten jener Zeit zu fesseln. Und zwar uns alle! Egal, ob älter oder jünger.

Am Samstag trafen wir uns morgens zur Ensembleprobe. Danach gab`s nochmal eine Stunde Atemkurs. Nach dem Mittagessen machten wir trotz des trüben Wetters einen gemeinsamen Spaziergang in der näheren Umgebung des Schlosses. Wieder zurückgekehrt bekamen diejenigen Kursteilnehmer, die Literatur mit Klavierbegleitung vorbereitet hatten, die Gelegenheit mit unserer Korrepetitorin Masayo Tanaka-Skoczowski ihre Stücke zu proben. Nach dem Abendessen sollte schließlich das erste Konzert stattfinden. Dazu hatten sich am Abend viele Interessierte, zumeist Eltern und Bekannte der Teilnehmer, aber auch andere Gäste des Seminarhauses im Saal eingefunden, um den musikalischen Vorträgen zu lauschen. Gespielt wurden u.a. Sätze aus den Klarinettensonaten von Hindemith, Lefèvre, Mendelssohn und Poulenc, Teile aus Werken von Lutoslawski, Baermann und Ferguson. Die Musiker wurden mit großem Beifall bedacht und so herrschte nach dem Konzert eine ganz ausgelassene, heitere Stimmung. Im Gewölbekeller feierten wir unseren letzen gemeinsamen Abend. Bettina und Markus spielten auf ihrer Klarinette und Bassklarinette Tangos für uns. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren von der schönen Stimmung begeistert, einige tanzten dazu, andere standen mit leuchtenden Augen dabei. Dies war dann auch eine gute Gelegenheit für uns, uns bei den beiden zu bedanken; haben sie doch mit viel Einsatz vor und bei den Klarinettentagen uns Teilnehmern interessante, lehrreiche und kurzweilige Tage auf Schloss Unteröwisheim geboten. Noch später am Abend versuchten wir dann in gemeinsamer Runde, die „Werwölfe von Düsterwald“ zur Strecke zu bringen…- ein schaurig-schönes Ratespiel.

Am letzten Tag fanden vormittags noch einige Kammermusikproben für Klarinettenduo, -trio und -quartett statt. Nach dem Mittagessen hieß es dann „Sachen packen“ und „Zimmer räumen“. Dann folgte am frühen Nachmittag dasAbschlusskonzert. Es erschien wieder zahlreiches Publikum. Eröffnet wurde mit drei Stücken für großes Klarinettenensemble, danach kamen Stücke wie z.B. das Duo von Poulenc, ein Divertimento von Mozart, ein Trio von Cooke, ein Quartett von Dondeyne und einige weitere leichtere Spielstücke für zwei oder drei Klarinetten. Zum Abschluss spielten wir alle gemeinsam noch drei kurze Stücke und damit waren die zweiten Klarinettentage – leider! - beendet. Es war für alle Teilnehmenden eine runde Sache. Und ich? Nun, ich entschied, dass die Klarinette meine neue Begleiterin werden sollte …

Schön war’s! Mal schauen, wer nächstes Jahr wieder dabei sein wird.

(Gaby Hessel)